Heiraten auf Chinesisch

Viele meiner Leser werden es noch nicht wissen – daher freue ich mich sehr auf verwunderte Kommentare unten 😉

Im Oktober 2011, als ich das zweite Mal in China war, um Vorstellungsgespräche zu führen (weniger als geplant – aber die Gründe dafür habe ich bereits ausführlich in dem Beitrag Jobsuche in China beschrieben), war auch ein besonderer Zeitpunkt für meinen zukünftigen Lebensweg: Ich habe „standesamtlich“ geheiratet 😉 … na, wieviele sind jetzt überrascht? Aber lasst mich doch das Thema „Heiraten auf Chinesisch“ von vorne berichten – auch für die Leser, die mich nicht kennen und sich nur über das Thema informieren möchten:

Die Hochzeitsfotos

Hat in China ein Paar beschlossen zu heiraten (das kann in China sehr schnell passieren … langes Dating oder jahrelange ehelose Partnerschaft ist in China ungewöhnlich), ist der erste Schritt, dass ein Fotograf gesucht wird, der sich auf Hochzeitsfotos spezialisiert hat. So geschehen als ich in letztes Jahr im Oktober in Peking bei meiner Kleinen war.

Wer mich ein wenig länger kennt, weiß wie sehr ich es hasse wenn Fotos von mir gemacht werden. In den letzten 10-15 Jahren habe ich mir allerdings angewöhnt es kommentarlos geschehen zu lassen oder in angemessenen Situationen sogar dazu aufzufordern. Denn ich habe festgestellt, dass die Kenntnis dass man keine Fotos von sich machen lassen mag in vielen Menschen den Drang auslöst jetzt erst Recht möglichst viele Fotos zu produzieren – Menschen sind manchmal grausam 😉

Dies im Hinterkopf könnt Ihr Euch sicherlich vorstellen, wie viel Spaß mir die 8-Stunden Fotosession mit einem Fotografen gemacht hat, der uns in Hochzeitskostüme aus seinem Fundus steckte und die unmöglichsten Posen einnehmen ließ (bestimmt die Hälfte der Fotos habe ich als sie vom Fotografen kamen für die „weitere Verwendung“ verweigern müssen – so lächerlich kamen mir die Posen vor … für viele Chinesen scheinbar normal auf Hochzeitsbildern).

Hier sind ein paar der nicht ganz so schlimmen Resultate – ich weiß einige von Euch haben schon auf Hochzeitsfotos gewartet (Nicht wahr Barbara und Iris ;-)):

Klassiches Hochzeitsfoto Traditionelles Hochzeitsfoto

Die amtliche Eheschließung …

… ist für Chinesen ein absolutes Muss – aber eher ein amtliches, kein festliches. So wurde der Tag zwar nach dem chinesischen Mondkalender ausgesucht (damit er kein Unglück bringt), allerdings haben wir uns beide in Alltagskleidung geschmissen und zusammen mit den Eltern (nur als Begleitung und Chauffeur) auf nach Tianjin, der Heimatstadt meiner Kleinen gemacht. In China schließt man die Ehe normalerweise auf dem Amt in der Heimatstadt des zukünftigen Ehemanns, da meine allerdings nunmal Solingen in Deutschland ist mussten wir die Heimatstadt der Frau aufsuchen (Ämter in jeder anderen Stadt hätten die Eheschließung nicht durchgeführt). Das kann manchmal eine lange Reise verursachen – bei uns waren es von Beijing nach Tianjin zum Glück nur 1,5 Stunden mit dem Auto.

Für alle Deutschen, die ähnliches vorhaben wie ich hier ein paar Infos, was Ihr für die Eheschließung benötigt:

  • Ledigkeitsbescheinigung (entspricht der Einwohnermeldebescheinigung des Stadt in der Ihr lebt)
  • amtliche Beglaubigung der Ledigkeitsbescheinigung (je nach Stadt bei der örtlichen Polizeibehörde oder dem Amtsgericht)
  • Überbeglaubigung der amtlichen Beglaubigung der Ledigkeitsbescheinigung
  • Übersetzung der Ledigkeitsbescheinigung in Chinesische von einem notariell anerkannten Übersetzungsbüro und einer Anerkennung der Übersetzung durch die Chinesische Botschaft
  • Ehefähigkeitsbescheinigung (nicht jedes Amt in China akzeptiert die Ledigkeitsbescheinigung … Achtung: mein Standesamt in Hannover forderte von mir die Ledigkeitsbescheinigung meiner Verlobten in China samt Übersetzung und Beglaubigung durch die Deutsche Botschaft in Peking von mir, bevor sie die Ehefähigkeitsbescheinigung ausstellen könnten, außerdem meine Geburtsurkunde (Kopie vom Amt der Heimatstadt anfordern) … ein ganz schöner Heckmeck – der bei mir zeitlich zu eng war – also plant ein wenig zeitiger als ich).
  • Gültiges Visum (egal welches – auch ein Besuchervisum ist OK)

Auf dem Amt in Beijing angekommen (Terminvereinbahrung ist Pflicht und geschieht Wochen im Voraus) betraten wir das Büro des Beamten und legten ihm unsere amtlichen Ausweise (bzw. Visum) und die anderen Dokumente vor.
Wie ich bereits erwähnte erkennt leider nicht jeder Beamte die Ledigkeitsbescheinigung als gültiges Dokument an – das ist keine böse Absicht, sondern allein die Unkenntnis wie eine Ledigkeitsbescheinigung in Deutschland aussieht. Uns kegte der Beamte Kopien von Ehefähigkeitsbescheinigungen anderer Deutscher als Beispiel vor was genau er sehen möchte und er wollte sich zunächst nicht davon überzegen lassen, dass meine Ledigkeitsbescheinigung genau das ausdrückt, was er sehen wollte.
Nach einigen Diskussionen auf Chinesisch (ich verstand kein Wort, konnte aber Gesten lesen) wollte sich meine Kleine schon geschlagen geben. Glücklicherweise war die Übersetzung so angefertigt worden, dass das Schriftbild dem Original entsprach – so konnte ich wiederholt auf genau das Wort deuten, dass „ledig“ bedeutet und das amtliche Siegel der Chinesischen Botschaft, die ja damit bestätigen musste, dass die Angaben der Übersetzung der Wahrheit entsprechen.
Die gepaart mit erneut angefachter Diskussionfreudigkeit meiner Kleinen ließ den Beamten irgend wann lächelnd aufgeben (leicht den Kopf schüttelnd) und die Eheformulare ausfüllen 😉 … Wir bekamen also unsere Eheausweise (vergleichbar mit dem Deutschen Stammbuch) ausgehändigt.
Später erfuhr ich dann welche Argumente meine Frau noch auf Lager hatte um diese am Ende zu bringen „ohne die offizielle Eheschließung würde ich kein anderes Visum bekommen und könnte keiner Arbeit aufnehmen und somit meine Familie nicht ernähren“ – clever, wenn auch von vorne bis hinten gelogen … vielleicht wusste der Beamte das auch udn hat deshalb lächelnd den Kopf geschüttelt- Aber scheinbar war er beeindruckt von unserer Hartnäckigkeit und nicht ganz unüberzeugt von der Gültgkeit meiner Ledigkeitsbescheinigng.
Doch der Tag der offiziellen Eheschließung selbst ist an sich nur ein offizielles Eheschließungsdatum … hat aber sonst keine tiefere Bedeutung für die Chinesen. Es wird also in keinerlei Art und Weise gefeiert. Dafür gibt es einen anderen Tag:

Die Chinesische Hochzeit

Auch für die Hochzeit auf der vor allen Dingen Familie, Freunde der Eltern und (zumindest bei uns) nur wenige eigene Freunde eingeladen werden, wird ein gutes Datum mit Hilfe des chinesischen Kalenders ausgesucht. Bei uns spielten noch das zu erwartende Wetter (weder zu kalt, noch zu heiß) und der errechnete Geburtstermin meiner Nichte eine Rolle (den wollte meine Mutter nicht in China verbringen ;-)) … wir feierten also am 15. April 2012 unsere Hochzeit in Peking.

Der Tag begann damit, dass morgens um 8 Uhr die Makeup-Spezialistin für die Braut und nach und nach Brautjungfer und Trauzeuge, Familie und Kameramann in unserer kleinen Wohnung aufschlugen. In weißem Brautkleid und schwarzem Anzug ging es dann gegen 11 Uhr im blumengeschmückten Wagen meines Schwieger-Cousins zu dem Restaurant in dem die Feuer stattfinden sollte.

Hochzeitsauto Vor dem Restaurant

Hier erwarteten uns bereits die rund 60 Gäste (also eher eine kleine Feier) und der Moderator (der Mann einer Freundin meiner Frau) stellte uns vor und warum wir an diesem Tag dort waren, die Eltern (mein Schwiegervater und meine Mum) sprachen uns ihre Glückwünsche aus vor der Festgesellchaft und wir sagten „ich will“ (denke zumindest, dass es was in diese Richtung bedeuten musste) und tauschten Ringe.
Unsere gemeinsame Freundin, die uns einander vorgestellt hat sprach ein paar Worte, genauso wie ein Freund meines Schwiegervaters.

Dann wurden wir entlassen … um uns umzuziehen und in traditionell chinesische Hochzeitskleidung wieder vor die Hochzeitsgesellschaft zu treten.
Wir reichten unseren jeweiligen Schwiegereltern Tee und nannten sie unter Zeugen „Ma“ und „Ba“, was unseren Familienschluss besiegelte.

Nun noch bei allen anwesenden jeweils einzeln „Danke sagen“ für’s Kommen, indem wir mit jedem Anwesenden (Kinder ausgenommen) mit Chinesischem Wein (ähem – Reisschnaps) anstießen, Bonbons an die Frauen und Zigaretten an die Herren verteilten, um am Ende dann selbst essen zu dürfen (was die anwesenden Gäste bereits seit einer Stunde durften).

Tja, so kurz wie ich nun die eigentliche Zeremonie beschrieben habe war sie tatsächlich auch … keine große Feier im Anschluss (viele Gäste seien dafür zu alt sagte man mir). Aber mir als altem Partymuffel kam das ganz entgegen 😉

Ja, ok, Barbara und Iris – für Euch noch Fotos von diesem festlichen Hochzeitstag:

Mein Schwiegervater spricht Meine Schwiegereltern, meine Eltern und wir

5 Gedanken zu “Heiraten auf Chinesisch

  1. Whow…. das ist ja atemberaubend… Ihr seit so eintolles Paar… schade das ich nicht da war… aber fühlt euch ganz doll gedrückt… ich wünsch euch beiden das all eure Wünsche in Erfüllung gehen…

  2. Danke Marcus, das ist alles ziemlich interessant und neu für mich (außer behördenwillkür, den kenne ich zu gut und der ist überall gleich). Ihr seid ein wunderschönes paar und ich wünsche euch alle glück diese erde.

  3. Sehr interessant zu lesen, wie eine Hochzeit auf chinesisch so verläuft. So etwas würde ich gerne mal live miterleben dürfen. Ist bestimmt eine tolle Erfahrung.

  4. Also Ihr beiden sieht wundervoll aus. Irgendwie Marcus zeigst Du deutlich chinessische Züge im Gesicht. Wüsste ich nicht, dass Du aus Solingen kommst, könnte man fast meinen … :-)

    Voll angefahren, aber irre geil. Ich kenne nur Kultuunterschiede von Bayern ins Rheinland. Das war aber schon sprachlich auch der Hammer.

    Ich wünsche Dir vom ganzen Herzen, dass es Dein zweites zu Hause wird. Macht die Arbeit Spass und mann kommt in ein schönes zu Hause mit Frau, was gibt es da noch zu überlegen. Da spielt dann die Politik erstmal überhaupt keine Rolle. Carpe diem !

    Werde jetzt regelmäßig draufschauen :-)

    Liebe Grüße aus Frechen, vor den Toren von Cologne

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