Zur Untermiete bei Toten in China

Da sind meine Frau und ich Ende Januar in unsere neue Mietwohnung in Chaoyang (Peking) eingezogen und sind doch tatsächlich nicht alleine in der Wohnung. Doch ganz ehrlich – zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass wir usere Wohnung mit Toten Menschen teilten.

Doch wie haben wir das erfahren?

  • Unruhiger Schlaf
  • Schlechte Träume
  • Schatten in der Nacht
  • Elektrische Geräte, die von alleine an und ausgehen
  • Dinge verschwinden …
  • … und tauchen an anderer Stelle wieder auf
  • ein alter Mann sitzt auf einmal neben mir auf dem Sofa
  • eine alte Frau starrt mir ins Gesicht als ich aufwache

All das war es nicht – tatsächlich haben wir uns bis zu dem Tag X richtig wohlgefühlt in der Wohnung.

Tag X war der an dem wir beschlossen den „Hänge“-Einbauschrank im Flur zu nutzen und in aus diesem Grund sauber machen wollten. Der Schrank ist zweigeteilt und die linke Hälfte beherbergte noch ein paar alte aber leere Plastiktüten.
Der rechte Schrank hatte es dafür in sich … er beherbergte einen kleinen Kasten, den ich herausnahm und öffnete.
Doch in dem Moment als ich den Kasten öffnete gab Jia einen Schrei von sich und ich dachte bereits eine Spinne, Maus, oder irgendetwas anderes wäre ihr in den Blick gesprungen. Doch das war es nicht.

Stattdessen hat sie einfach den Inhalt erkannt (ich natürlich nicht). Es handelte sich um eine kleine Ahnentafel, die Leute sich zum Andenken an ihre Verwanden anfertigen lassen. Für meine Frau das klare Zeichen, dass diese Wohnung derzeit nicht uns alleine gehört, sondern eben auch diesen Verstorbenen. Ich wollte diesen Kasten einfach entsorgen (immerhin scheint ihn ja niemand zu vermissen), doch ich „durfte“ diesen Kasten auf keinen Fall aus dem Schrank entfernen.

Ein Anruf bei der Wohnungsverwaltung ergab, dass am nächsten Tag eine Reinigungskraft kommen sollte, die die Ahnentafel mitnimmt. Nachdem das geklärt schien rief die Wohnungsgesellschaft noch einmal bei uns an sagte, der Vermieter/Inhaber der Wohnung wolle Mitte der Woche selbst kommen und sich der Ahnentafel annehmen mit der Betonung, dass er nicht wüsste zu wem sie gehört und wie sich dahin käme (… mal ehrlich – warum sollte er dann selbst kommen, wenn die Ahnentafel nicht zu seiner Familie gehört … aber wie auch immer).

Achja … könnt Ihr Euch denken was die kommenden Nächte passierte?
Die menschliche Fantasie ist schon so eine verzwickte Sache … die ganzen Wochen zuvor in der „Wohnung der Toten“ war alles in bester Ordnung, auch die erste Nacht nach der Entdeckung war noch OK. Allerdings die folgenden Nächte wurde das Gefühl beim mitternächtlichen Toilettengang immer stärker, dass man beobachtet wurde.

Das bedeutet im Klartext, dass man sich immer genauer umsah und wenn es einen „verdächtigen“ Schatten gab, um dann festzustellen, dass dieser Schatten genau dahin gehörte wo er war. Er war die Wochen zuvor dort und auch jetzt, nachdem der „Spuk“ vorbei ist.

Auch wenn nichts passiert ist waren die wenigen Tage in denen wir bewusst(!) nicht alleine in der Wohnung waren doch ein wenig aufregender als die Wochen zuvor oder danach.

Ein Gedanke zu “Zur Untermiete bei Toten in China

  1. Haha, ich bin eben auf deinen Blog gestoßen und bin sehr begeistert, nachdem ich nun den dritten Artikel gelesen habe. Das klingt alles so typisch Chinesisch und ist mir sehr vertraut. In China ist es eben doch etwas „anders“. Aber doch auch mitunter lustig und freundlich anders. Wobei ich auch nicht gerne von einem Geist verfolgt werden möchte 😉
    LG, Senta

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